Daniel Knorr Interview
 
Ich glaube der K¨¹nstler ist außerhalb der Gesellschaft. Er hat eine Aufgabe, die die Funktion der Gesellschaft nicht beeinflusst, deshalb ist er mehr ein Beobachter.Aber die Kunst sehe ich wirklich als höchste Repräsentation einer Gesellschaft.
Ich will eigentlich nichts sagen, ich glaube ich habe nichts zu sagen, ich weiß auch nicht viel, aber ich versuche einfach das darzustellen wo wir leben und einen Zusammenhang zu erzielen. Und es auf eine Weise zu machen, die einen geschichtlichen Sinn hat und unsere Wahrnehmung verschiebt, anregt und neu ausdr¨¹ckt.
 
Time: 01,11,2008
Place: FCAC Shanghai
interviewer: XiaoFei Li¡¢JunYuan Zhao¡¢Zhe Xu
Translator in German: JunYuan Zhao
Translator in French: Zhe Xu
Type in (German): Yolanda vom Hagen, JunYuan Zhao
Type in (French): Marc Bonelli, Zhe Xu
Type correct: Li Zhang
 
XiaoFei Li £ºKannst du bitte zuerst deine kuenstlerische Ausbildung erzaehlen?
Daniel Knorr £ºIch wollte länger schlafen. Eigentlich sollte ich etwas anderes machen,Ich habe mich dann aber mit 17 f¨¹r Kunst entschieden.Ich habe mit 14 von J¨¹rgen Stone „Harmonie in Extase¡° gelesen,dass war eine Arbeit, ein Buch welches ¨¹ber Michel Angelo ging.
Ich habe mir nicht erträumt K¨¹nstler zu werden, aber als ich von Rumänien nach Deutschlang gekommen bin, war das ein großer Schritt in die Freiheit und den wollte ich weiter gehen. So habe ich entschieden, dass ich gerne Kunst machen möchte.Ich habe mich beworben und bin an der Kunstakademie in M¨¹nchen angenommen worden.Ich habe in M¨¹nchen und New York studiert und bin dann nach Berlin gegangen.Dort habe ich dann als K¨¹nstler weitergearbeitet.
 
XiaoFei Li £ºWas ist der Ansatz fuer dich,mit dem du Kunst machst? Und wie verstehst du Kunst?
Daniel Knorr £ºF¨¹r mich ist es wichtig das Kunst mit der Umgebung zu tun hat. Mit der Zeit in der man lebt, das sie die Geschichte, die Zukunft und den Zeitgeist reflektiert. Es ist f¨¹r mich wichtig einem kritischen Punkt darzustellen. Das sich die Menschen mit der Realität in der sie leben auseinandersetzten und sie dazu zu bringen, ¨¹ber das was sie und ihr Leben ausmacht nachzudenken und zu sprechen. F¨¹r mich ist es wichtig das die Kunst auch einen kritischen Aspekt hat,das sie die Gesellschaft polarisiert und eine bestimmte Position erreicht, an der man nicht vorbeigehen kann, aufgrund dessen man¨¹berlegt, wo man lebt, wieso man lebt, worauf es vielleicht keine Antwort gibt, aber auch ein paar Fragen und Antworten klar werden, um die Existenz, unsere Bestimmung.
Ich glaube das Kunst das höchste ist was eine Gesellschaft besitzt, das es die höchste Präsentation einer Gesellschaft ist. Es stellt den Höhepunkt der Zivilisation dar.   
                                                        
XiaoFei Li £ºDie Materialisierung ist ein sehr wichtige Gedanke von dir.Kannst du erzaehlen,wie die Arbeit von 2001„Nicht noch mal ein Ready Made¡°entstand?Die Arbeit ist quasi ein Zensur von deinen ganze Arbeiten.Nach dieser Arbeit hast du die Materialisierung sehr betont.Und was ist Materialisierung?
Daniel Knorr £ºMein damaliger Galerist musste kurzfristig zu einer Kunstmesse nach Chicago,da die Zeit sehr knapp war, gab es Probleme mit dem Transport der Arbeiten. Ich hab ihm gesagt, er muss die Arbeiten nicht transportieren, sondern wir machen eine Arbeit,in der du deinen Stand einfach leer lässt und sagst die Arbeit sei von mir und heißt „Nicht noch mal ein Ready Made." Diese Arbeit kann als Edition existieren die er 10 mal verkaufen kann. Er fand es gut und hat es dann gemacht.Diese Arbeit hat von Art.net den Preis f¨¹r den besten Stand bekommen.Alle Leute haben den Stand aufmerksam betrachtet, um zu wissen was dort passiert,  weil es auf Kunstmessen wichtig ist Arbeiten zu verkaufen und er war der einzige Stand der leer war. Alle Leute haben sich gefragt was ist den dort los, warum der Stand denn leer ist. Mich hat es interessiert auch andere Arbeiten so zu reflektieren und zu sagen, dass alle Arbeiten ein Konsens f¨¹r den Markt sind,  ein Ready Made sind und nur f¨¹r den Markt existieren. Diese Arbeit war als Kritik am Markt gedacht.
Zeitgleich entstand eine andere Arbeit,¡°Klaus, Klaus kommt auch zu Fuß.¡±die eigentlich der Auslöser daf¨¹r war. Ich war eingeladen im Museum Folkwang eine Arbeit zu machen. Ein Monat später hätte ich f¨¹r eine z¨¹richer Galerie eine Arbeit machen m¨¹ssen und da habe ich vorgeschlagen „Klaus, Klaus kommt auch zu Fuß¡° zu machen. Die ist auch im Katalog drin. Dort ging es darum eine Existenz bzw. Beziehung als eine Arbeit darzustellen.Mich hat es interessiert, wie weit eine Existenz darzustellen ist, wie kann man eine Existenz darstellen. So wie ein Mensch wenn er neu an einem Ort ist, nicht in der Gesellschaft integriert ist, sondern sich immer am Rande bewegt, das er unbemerkt ist, das er immer von außen kommt, dieses Außenseitertum darzustellen war die Idee f¨¹r „Klaus, Klaus kommt auch zu Fuß¡°.
Ich habe mit meinem Vater gesprochen und er hat mir gesagt,stell dir mal vor du schaltest die Programme im Fernsehen rauf und runter, aber im Hintergrund siehst du immer denselben Typen. Dadurch fand ich die Idee sehr gut. und ich dachte dadurch wird der Vordergrund immer unwichtiger und der Hintergrund wird immer wichtiger, weil man immer die Person erkennt.Wenn man umschaltet ist immer diese Person zu sehen,das wollte ich live und in Wirklichkeit haben. Dann habe ich diesen Klaus gewählt, er war Wärter im Museum. Ich habe ihn gefragt ob er Lust hat eine Reise nach Z¨¹rich zu machen, du wirst zum Kunstwerk, kannst zwei Wochen machen was du willst,du musst nicht unbedingt in der Galerie sein, mich hat es interessiert in frei zu lassen.Weil man Beziehungen halt so erfährt, du kommst rein, mal ist er da, mal ist er nicht da. So hat sich die Idee mit der Materialisierung ergeben. Ich wusste es nicht vorher, es hat sich mit der Zeit entwickelt. Von da an war ich mehr und mehr an solch einer Arbeit interessiert.
 
XiaoFei Li £ºAlso so zu sagen diese Arbeit ist auch etwas zufaellig.Kannst du auch mehr erzaehlen,wie hast du gedacht dass du darmals den Klaus zur Kunst brachst?
Daniel Knorr £ºDie Idee war halt eine Existenz und das Gef¨¹hl Außenseiter zu sein darzustellen. Diese Geschichte wurde mehr und mehr zu einer Geschichte£¬und nat¨¹rlich wenn du versuchst einen Menschen als Kunstwerk darzustellen und die Kunstmedien versuchen das zu zeigen, ein Prozess stattfindet auf dem keiner vorbereitet ist. Denn normalerweise können sie eine Arbeit ablichten, diese wird dann bekannt, wird verkauft und man wird dar¨¹ber sprechen. Aber wenn es um einen Menschen geht, dann geht es um seine Persönlichkeit, und auch um die Beziehung zu seiner Umgebung. Das wird dann zur Arbeit, das ist dann die Materialisierung. Dieser Prozess seiner Persönlichkeit in den Medien stattfindet, das war der Moment der f¨¹r mich wichtig war, indem ich erkannt habe, dass das f¨¹r mich selber ein neuer Weg ist. Auf der Kunstmesse waren dann der Galerist, der K¨¹nstler und das Kunstwerk immer zusammen unterwegs, auch später in der Kneipe. Also es war etwas was immer funktioniert hat, was nicht mehr einfach aufgehört hat, was nicht einfach nur Kunstwerk war, was aufgehängt wird, sondern ein nonstop Kunstwerk. Das hat mich interessiert und dazu gebracht weiter an diese Art Kunstwerk oder Materialisierung wie ich es nenne zu denken.                            
 
XiaoFei Li £ºDu hast bei deinen Arbeiten so vielen unterschiedliche Materialien benutzt.zbs.bei 2008¡°Geschichte klauen¡° mit Skulpturen,und 2007 mit Strassenbahn und auch mit Fotographern, Plakate usw. Also sehr vielfaellrig. Aber auch viele Matrialrien,die du nehmen,sind mit Oeffentlichkeit zu tun.Wie findst du die Beziehung zwischen oeffentlicher Raum und privater Raum?
Daniel Knorr £ºIch glaube der öffentliche Raum ist eine Debatte f¨¹r sich. Also es ist etwas was sehr viel diskutiert wird und was in den verschiedenen Regionen dieser Welt sehr unterschiedlich ist. Es gibt einige die sagen es gibt keinen öffentlichen Raum, weil selbst wir als Menschen auch als Privatpersonen gebrandet sind, jeder hat ein Branding, unsere Klamotten haben auch ein Branding, sie sind selber nicht mehr öffentlich, wir sind einfach in einem privaten Space, es ist schon alles verkauft. Es gibt viele Diskussionen dar¨¹ber. Als K¨¹nstler glaube ich, dass die Kunst diese Idee des Öffentlichen hat, weil Kunst f¨¹r alle da ist oder sein sollte. Auch die Museen sind eigentlich f¨¹r alle zugänglich.
Kunst an sich, ist die Repräsentation der Gesellschaft, ist die höchste Form der Repräsentation einer Gesellschaft. Eigentlich sollte sie öffentlich sein oder dadurch hat sie einen öffentlichen Charakter, weil sie eben eine Gesellschaft repräsentiert. Aber ich denke Kunst ist eine private Geschichte, sie ist eine intime Wahrnehmung. Denn wenn man in ein Museum geht, ist man alleine mit dem Kunstwerk, man findet sich in einer intimen Auseinandersetzung mit dem „Sujet¡° (Französisch= Gegenstand). Das ist der Unterschied zwischen dem Intimen und dem Öffentlichem, in meiner Arbeit bei der „Manifesta¡° habe ich versuch diese Grenzen aufzuheben. Ich hab die T¨¹ren der Ausstellungsräume herausgenommen und die Ausstellung der Öffentlichkeit ausgesetzt. Die Manifesta hat sehr viel Security dort hingestellt, damit nichts passiert. Aber das selber ist Teil der Arbeit, also die Materialisierung vom öffentlichen Raum, es muss ständig gesichert werden, die Gesellschaft sichert den öffentlichen Raum und dadurch ist er auch nicht mehr öffentlich. Deshalb hat die Kunst es sehr schwer eine öffentliche Position zu beziehen. Ich denke, dass man als K¨¹nstler dazu da ist diese Grenzen etwas zu verschieben, sie zu vergrößern.
 
XiaoFei Li £ºMir personlich gefaehrt die Arbeit „Geschichte klauen¡° von 2008 sehr. Und kannst du erzaehlen was passiert darmals bei dem Arbeitsprozess?
Daniel Knorr £ºDie Arbeit wurde vom B¨¹rgermeister der Stadt Kopenhagen m¨¹ndlich, jedoch nicht schriftlich genehmigt. Wir haben auf die schriftliche Genehmigung gewartet, die hat er aber nicht herausgegeben. Dann haben die Kuratoren der Qua Triennale f¨¹r Kunst in Kopenhagen entschieden das wir die Arbeit machen, weil sie die gerne haben wollten.Sie haben selber versucht einen Brief zu schreiben, f¨¹r den Fall das die Polizei uns aufhalten will.Um zu sagen das es m¨¹ndlich genehmigt wurde aber das wir noch auf die schriftliche Genehmigung warten. Dann waren wir mit 5 Teams je zwei Leuten draußen, teilweise mit einem Kran hoch bis auf 20 Meter Höhe und haben wirklich 60 von 120 Skulpturen der Stadt mit M¨¹tzen bedeckt. Dann als ich beim König Friedrich dem Siebten war, hat die Polizei die Aktion sofort abgebrochen und gesagt, die Sachen m¨¹ssen alle runter. Seitens der Qua Triennale hatte man Angst, dass ein Politikum entsteht, sie wollten dass ich die Arbeit herunternehme. Urspr¨¹nglich wollte ich das nicht, weil es meine Arbeit ist, es war abgemacht, dass es ein Tag so bleibt, ich wollte das ein Tag erhalten. Dann haben die meinen Assistenten geschickt um es herunter zu hohlen und eigentlich aus Solidarität habe ich gesagt, ich gehe mit und mache es doch. In vielen Zeitungen haben sie dar¨¹ber geschrieben, sich daf¨¹r interessiert. Die Qua Triennale hat versucht diese Arbeit herunter zu spielen, aber im nordischen Raum wurde einiges dar¨¹ber geschrieben.
 
XiaoFei Li £ºFindst du die Kunst ist individuel in der Gesellschaft? und wie meinst du die Individuelitaet von Kunst?
Daniel Knorr £ºIch glaube der K¨¹nstler ist außerhalb der Gesellschaft. Er hat eine Aufgabe, die die Funktion der Gesellschaft nicht beeinflusst, deshalb ist er mehr ein Beobachter. Aber die Kunst sehe ich wirklich als höchste Repräsentation einer Gesellschaft. aber andererseits ist er nicht an der Spitze, aber er repräsentiert sie.            
 
XiaoFei Li £ºHast du was durch deine Arbeit zu sagen? wie kann man deine Arbeit definieren?
Daniel Knorr £ºDu meinst ob ich eine Message habe? Was will ich eigentlich sagen. Ich habe es schon vorhin gesagt, ich glaube das war die erste Frage. Es geht eigentlich darum das man versucht die Gesellschaft zu reflektieren. Ich will eigentlich nichts sagen, ich glaube ich habe nichts zu sagen, ich weiß auch nicht viel, aber ich versuche einfach das darzustellen wo wir leben und einen Zusammenhang zu erzielen. Und es auf eine Weise zu machen, die einen geschichtlichen Sinn hat und unsere Wahrnehmung verschiebt, anregt und neu ausdr¨¹ckt. Das ist mein Ziel, um eine kritische Position in der Gesellschaft zu beziehen. Neue Wahrnehmung von uns aus, denn dass was die Arbeit sieht ist unsere Wahrnehmung, die neue Wahrnehmung dem Zuschauern, dem Besucher oder dem Betrachter zu präsentieren. Eine neue Wahrnehmung im k¨¹nstlerischen Sinne, aber auch im gesellschaftlichen Sinne, um einen kritischen Punkt darzustellen in einer Gesellschaft.                                                                          
 
XiaoFei Li £ºKann man so verstehen,zbs bei der Arbeit fuer 2005 Venedig Biennale die Zuschauer sind ein Teil davon die materialisiert oder?   
Daniel Knorr £ºNein, der Zuschauer materialisiert die Arbeit. Er ist eigentlich der, der das Gespräch, oder selbst das Video wenn wir ¨¹ber die Arbeit sprechen, ist eine Materialisierung der Arbeit. Die Arbeit ist so zu sagen ein Raum, indem erstmal nichts zu sehen ist. Es ist ein Nichts, aber materialisiert sich später durch die Gespräche, durch das wie sie wahrgenommen wird. Die Wahrnehmung, also die „perseption of English¡° ist das was die Arbeit materialisiert, ihr eine Form gibt.Ganz einfach ist es an einem herkömmlichen Kunstwerk, wie eine Skulptur zu erklären. Diese Skulptur wird ausgestellt und man spricht dar¨¹ber. Die Form, die die Leute dieser Skulptur geben, durch ihre Gespräche, Berichte und wie sie selbst ein Foto machen, ist die Materialisierung dieser Arbeit. Das gibt die Form die weiter geht, die weiter erzählt wird und die eigentlich da bleibt.    Und das obwohl die Arbeit vielleicht ganz anders aussieht, der K¨¹nstler vielleicht etwas ganz anderes wollte. Deshalb interessiert mich der Prozess der Materialisierung, weil er durch den Zuschauer stattfindet und ich kann ihn als K¨¹nstler erst einmal steuern, indem ich ihn bewusst loslasse, aber in einem bestimmten Punkt mit einer ganz bestimmtem, sagen wir, gezielten und präzisen Aktion.        
 
XiaoFei Li £ºFindest du diese Arbeit wuerde in irgendwelchem freien Raum auch funktionieren? Und welches Sinn liegt eigentlich hinter dieser Arbeit? 
Daniel Knorr £ºAlso das ist nicht so das es irgendeinen Raum, irgendwelche Leute und irgendein Freiraum ist, sondern es ist der rumänische Pavillon in Venedig, es werden die Spuren vergangener Ausstellungen gezeigt, es ist ein Raum, der auch eine Hintert¨¹r hat,die Hintert¨¹r steht offen. Der Raum, sagen wir mal, ist die höchste Instanz, höchste Repräsentation des Landes, auf internationaler Ebene bei so einer wichtigen Ausstellung.
Und wenn da so etwas stattfindet, findet eine Materialisierung in den Köpfen statt, nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch in den Medien. Deswegen gab es eine riesige Mediendebatte und es wurde dar¨¹ber geschrieben, weil es dieser Raum war. Wenn es ein Raum ist, der nicht so viel Bedeutung hat, hat es nat¨¹rlich, eine andere Bedeutung.  Es hat immer mit dem Ort und seiner Geschichte zu tun. Es ist nicht so das man verallgemeinern kann und sagen kann, man lässt einen Raum leer und dann ist es das.  Es hat nat¨¹rlich immer eine Implikation wo und wie das ist. Klar, stell dir vor es ist der chinesische Pavillon und der ist leer. Da flippen alle aus und sagen: ¡°Hey, wir sind so ein großes Land, warum ist das leer? Was ist da los?¡± Aber es ist nicht nur das es leer war, sondern es gab auch diese Publikationen mit kritischen Texten ¨¹ber Europa. Das kam halt auch dazu, dass der Katalog mit den kritischen Texten dabei war. Die vergangenen Spuren der Ausstellungen, das die Hintert¨¹r auf war, das die Leute einfach raus gehen konnten, dass manche einfach durch den rumänischen Pavillon gegangen sind und gesagt haben: „ Hey, dahinter ist eine super Ausstellung, alles ist so toll gespielt!¡° Dabei war es die Wirklichkeit. Also dieser Moment, indem man nicht mehr unterscheiden kann, ob Wirklichkeit, gespielt oder Kunst. Dieser Moment wo man ¨¹berlegen soll, wo man eigentlich lebt, in welcher Gesellschaft, was eigentlich passiert, interessiert mich.Diese Vibration einer Wahrnehmung, wo halt die Wahrnehmung zwischen Wirklichkeit und K¨¹nstlichkeit wechselt. 
 
XiaoFei Li £ºDiesmal arbeitst du in China fuer einige Zeit.Was hat dich beeindruckt? Zum Beispiel,diese Arbeit¡°Awake,Asleep¡° in Fei Art Centre,ist diese Abeit durch die Situation der ArtCentre noch mal matrialisiert geworden?     
Daniel Knorr £ºIch habe China vorher nicht gekannt und man kennt es nur von außen. Man stellt sich vor es ist ein riesig großes Land mit vielen Menschen, ungefähr ein viertel der Welt lebt hier.
Ich wusste das Shanghai zum Beispiel eine große Entwicklung hat. Ich habe einiges dar¨¹ber gelesen. Mich hat die Kunstszene sehr interessiert und ich habe einige Sachen gelesen und ich fand es sehr spannend, ich hab gedacht es ist eigentlich die neue Avantgarde der Welt, es ist der Ort, wo man eine neue Kunst finden kann. Wahrscheinlich ist es auch so, aber leider kann ich hier jetzt nicht so viel sehen, aber meine ganzen Gedanken gingen in diese Richtung und ich habe diese Arbeit ausgewählt, weil sie auf vielen Ebenen, erst einmal meine Situation widerspiegelt. Meine Situation von außen hier rein zu kommen, wieder zur¨¹ck zu gehen, aber auch die Situation von allen die Außerhalb sind oder alle die hier drin sind, die Situation eines jeden Menschen, eines kleinen Welpchen. Oder einer Existenz die die Arbeit die M¨¹digkeit hat sich jedem ein und auszuschalten. Ein System selber zu beeinflussen. Ein Rhythmus zu beeinflussen.Explizit weiß ich, dass es hier sehr viele Probleme gibt, weil es ein großes Land ist. Und ich wollte all diese Probleme nicht ansprechen, es wäre sehr leichtsinnig, sehr sehr viel auszuwählen und ich weiß zu wenig dar¨¹ber, um mich konkret damit auseinander zu setzten. Ich denke auch nicht, dass es meine Rolle als Außenseiter ist, was dagegen zu tun. Aber ich kann versuchen meine eigene Position und die Anderer in dieser Gesellschaft darzustellen. Auf die einfachste Art und Weise.
 
XiaoFei Li £ºDiese Ausstellung wird hier fuer eine Monate dauern.Wir als die Seite von Art Centre uebernehmen auch die Veranterwortung zu Zuschauer. Und wie koennen wir den Zuschauer die Arbeit erklaeren?
Daniel Knorr £ºIch w¨¹rde sagen, wenn ihr Fragen habt, dann könnt ihr mich gerne zu der Arbeit Fragen.
Einiges habe ich jetzt gesagt, aber ich kann auch gerne weiter Antworten. Nat¨¹rlich wenn jemand rein kommt und fragt: „Was ist das?¡° kann man eigentlich leicht antworten. Man kann sagen, das ist eine Arbeit die der K¨¹nstler ein und ausschaltet. wenn er morgens raus geht und wenn er abends wieder ins Bett geht. Man kann sie so pragmatisch beantworten, aber man kann auch sagen was sie bedeutet. Man kann sagen, dass es eine Edition von 20 Arbeiten sein kann, dass es nur die einfachste Materialisierung ist, dass es die erste Ausstellung dieser Art ¨¹berhaupt ist und das es die Idee ist, eine Existenz darzustellen. Es ist im Endeffekt wie ein Autorportrait. Ich meine ihr könnt sagen, schaut raus auf die Strasse, ihr seht total viele Lichter, eins von denen seit ihr. Genau! Aber es ist noch mehr. Weil es ist im Endeffekt eine Kommunikation, es ist immer ausgestellt, immer da. Du fährst in der Nacht durch Shanghai und siehst total viele kleine Lichter. Ganz klein, weil es irgendwie aus irgendeinem Fenster von irgendjemandem ist.                                                                           
Vielleicht ist es nur so groß weil du es aus 20 Kilometer Entfernung siehst, aber es ist eine andere Darstellung, ein anderer Kontext. Und das ist jetzt hier wieder ein anderer Kontext, aber es ist ähnlich. Man kann so dar¨¹ber nachdenken. Also es ist viel mehr als das, das ist nur die erste Ebene. Aber es gibt viel mehr Ebenen, je mehr man dar¨¹ber nachdenkt, desto mehr Ebenen kann man entdecken und das ist das interessante dabei. Das ist keine visuelle Satisfaktion, sondern eine sinnliche Satisfaktion. Und das hat mit allen Sinnen etwas zu tun, es hat mit dem Denken, mit dem F¨¹hlen und mit dem Sehen auch zu tun. Ich glaube das Wahrnehmung nicht nur das ist was man sieht, sondern dass was man erfährt, wenn man raus geht wieder dar¨¹ber nachdenkt, auch wenn man sich aufregt.
Aber all das trägt dazu bei, eine Wahrnehmung zu haben. Es ist nicht nur dieser Moment des Daseins, sondern es hat alles damit zu tun. 
 
XiaoFei Li £ºVon Jahr 1994 bis jetzt bei deinen Arbeiten kann man schon deutlich merken dass du eine klare Linie bei dienen Kuenstlerische Gedanken hast. Aber hast du irgendwas Problem bei dein Gedanken getroffen? Wenn du hast,was ist es?und hast du Muehe gegeben zu loeschen?                                                     
Daniel Knorr £ºJa, ein bisschen Geld wäre nicht schlecht!
 
XiaoFei Li £ºWas hast du fuer naechste Arbeit geplant?                               
Daniel Knorr £ºJaja. Das ist jetzt in der Kunsthalle Fridericianum in Kassel. Eröffnet am 6.Dezember und ist auch in dem Katalog. Das ist die letzte Arbeit, Nr. 31 im Katalog. Die habe ich extra dazu genommen, dann ist er total aktuell und komplett f¨¹r dieses Jahr. Es ist eine Arbeit aus Scherben, also ich mache Flaschen kaputt oder finde kaputte Flaschen und Scherben in den Straßen. Es wird eine Art performative Show in einem Ausstellungsraum sein. Wo einfach 4 Wochen lang die Brillen, die auch im Katalog dargestellt werden, gemacht werden. Die Arbeit heißt: „ Scherben bringen Gl¨¹ck. Das ist ein deutsches Sprichwort, welches es auch im Englischen oder Rumänischen gibt. Aber jedes Sprichwort hat auch etwas Populistisches, weil alle Leute daran denken und glauben. Aber es hat auch eine geschichtliche Bedeutung. In Deutschland erinnert es zum Beispiel an die Kristallnacht. Als dieser Pogrom der Nazis gegen die Juden angefangen hat Vom weitem sehen die Brillen wie Designerbrillen aus. Also es hat den populistischen Geschmack. Es ist wie Materialisierung von Geschichte. Es ist als wenn man durch die Geschichte guckt, das ist so die Idee dabei.   
                    
XiaoFei Li £ºKannst du ueber die zeitgenoessische Kunst was sagen?   
Daniel Knorr £ºAlso ich beschäftige mich wenig mit zeitgenössischer Kunst. Also ich mache nur meine Sachen. Ich glaube das Kunst eine Industrie wird. Ich weiß noch nicht wie diese Industrie so aussieht, ich mache fast kein Geld, ich lebe sehr bescheiden von dem was ich mache.                                
Jetzt werden einige Leute ein bisschen aufmerksam. Ich denke nicht so viel dar¨¹ber nach was andere machen. Ich mache einfach meine Sachen.
 
XiaoFei Li £ºHast du die Vorstellung fuer die ideale Kunst?                          
Daniel Knorr £ºAlso das kann ich nicht sagen, aber ich habe Momente, in denen ich denke  das ich etwas sehr sehr spezielles entdecke. z.B. Damals in „pashuet¡° eine kanadische Zeitschrift die es jetzt leider nicht mehr gibt, gab es vor ca. vier Jahren einen Bericht ¨¹ber Shanghai, dort habe ich einige Arbeiten gesehen und ich war wirklich sehr begeistert davon. Ich treffe hier jetzt halt niemanden davon, aber zum Beispiel auch die Arbeit von der Dokumenta. Ich hab den auch jetzt in Guangzhou getroffen, der diese Mensch Wand gemacht hat, das finde ich eine sehr sehr gute Arbeit. Ich finde das war eine der besten Arbeiten auf der Dokumenta. Es gibt Arbeiten die ich hier sehr gut finde. Zum Beispiel gibt es eine Fotografin die jeden Nachmittag um 17 Uhr in Shanghai Fotos macht. Also wenn das Licht so wechselt, praktisch vom normalem zum elektrischen Licht. Das finde ich auch super. Aber ich weiß leider den Namen nicht. Es gibt Momente in denen ich sage es gibt Sachen die mich wahnsinnig begeistern, aber der Gedanke an ideale Kunst ist glaube ich furchtbar. Das ist so wie Nazi, oder?  Ne ich glaube man kann nicht so verallgemeinern.                                                                                                    
Ich glaube das Problem ist nicht die Kunst,  sondern die Institution die drum herum ist, die die Kunst isoliert, die Kunst instrumentalisiert. Sie zum Instrument macht und sie politisiert und daraus Kulturpolitik macht. Wenn man sie nimmt, sie in die ganze Welt exportiert und sagt: „ Ach das ist Kunst aus China.¡° Das tötet das einfach. Ich finde das liegt nicht nur an der Kunst, sondern auch an den Leuten, an den Kuratoren und an den Leuten die sie zeigen. Der K¨¹nstler ist einfach nur ein kleines Vehicle und sobald der K¨¹nstler die Macht hat das zu verändern und zu sagen: „Nein, da mache ich nicht mit.¡°                                                                                             
Wenn er das machen kann und selbst die Kuratoren ihn dabei unterst¨¹tzen, dann kann etwas Gutes entstehen. Aber das ist nicht nur der K¨¹nstler alleine, heutzutage ist es eine riesen Industrie.
 
XiaoFei Li £ºZum Schluss werde ich noch sagen,dass diese Ausstellung die einfachste und anstrengenste Ausstellung ist, die wir haben. Was die einfachste ist dass wir nur wenige Zeit fuer Aufbau gebraucht haben. Und was anstrengenste ist dass der Kunstler erst vor kurz bei uns angekommen ist. Aber deine Arbeit und dein Gedanken ist sehr intressant. Wir hoffen naechster Mal kannst du noch bei uns Arbeit zeigen.                                                  
Daniel Knorr £ºDanke,wenn ihr nach Berlin kommt,seid ihr herzlich eingeladen,zu mir zu kommen. Wahrscheinlich koennen wir was zusammen machen.Und ich bin echt begeistert und zufrieden. Ich freue mich sehr und finde die Ausstellung sehr gut. Ich bin sehr zufrieden.
 
JunYuan Zhao £ºDu hast viele Projekte gehabt, die nicht so einfach realisiert wuerden. Hast du die Schwierigkeit vorhergesehen? Oder findest du was du zu der getan hast, um die Arbeit zu realisieren ist im Endeffekt auch zur Arbeit gehoert?
Daniel Knorr £ºJa,viel Mals habe ich die nicht vorhergesehen. Wenn ich vorhersehen koennte,haette ich bisschen Angst das zu machen. Also ich habe die nicht zur Arbeit gemacht.Ich habe nur dies Ergebnis. Es gibt bis jetzt wenige Arbeit,dass dieser Prozess auch der Teil der Arbeit goworden ist. Ich weiss, gibt es viele Leute sich dafuer interessiert wie ist diese Prozess, oder so. Aber habe ich bis jetzt keine Form gefounden£¬die ich zeigen kann.
 
JunYuan Zhao £ºAber bei der Arbeit 2005 von Venndig Biennale gab es vor 3 Jahre eine grosse Diskussion dafuer gemacht. Und auch die Regierung versuchen diese Arbeit zu fassen. Zum Schluss sind dieser Prozess in der Publikation gezeigt. Ist dieser Prozess so zu sagen dabei?
Daniel Knorr £ºJa,das ist was anderes. Das ist nicht der Prozess wie Arbeit entstanden ist,sondern die Materialisierung. Das ist dass wie die Arbeit den Form bekommt. Durch das Gespraech, durch die Reaktion des Publikums,durch die Wahrnehmung bekommt ein Arbeit ein Form. Dann ist eine Publikation spaeter erschienen. Ich habe deine Frage vorher so verstanden,dass der Prozess von die Realisierung selbe ist. Zbs bei diesem U-Turn.Das war sehr sehr schwere zu realisieren.
Diese Turn Instuition war gegen diese Arbeit. Das musste wirklich zur hoeheste Stelle gehen,dass sogar der Berater des Presidents mir geholfen hat,dass er Druck gemacht hat. Ja natuerlich habe ich das nicht gezeigt. So habe ich verstanden dass dieser Prozess der Teil der Arbeit wird.Ich habe das nicht gemacht. Ich habe bisschen nachgedacht,als ich bei Buegermeister war. Kann ich ein Foto von Ihnen machen?aber ja,lass mal. Aber das andere ist natuerlich ,die Materialisierung ist dass was der Form der Arbeit da gibt. Die Arbeit selber ist eben am Anfang so gewesen.Diese ganzen Diskusion haben ein Form fuer die Arbeit gegeben.Ich wuerde diesen Buch auf jeden Fall euch schicken.Das habe ich nicht dabai.
 
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